Kahled Albouzan

Ausbildung Stahlbau Schäfer Dillingen

Kahled Albouzan ist 26 Jahre alt und kommt aus Syrien. Wie so vielen seiner Landsleute ist ihm keine andere Möglichkeit geblieben, als vor dem im Land herrschenden brutalen Krieg zu fliehen. Seine Entscheidung für diese Flucht war vor allem eine Entscheidung für eine äußerst ungewisse Zukunft ohne Ehefrau, familiäres Umfeld und Freunde – kurzum, er war auf sich allein gestellt. Die Tatsache, dass er seine Flucht kurz vor Beendigung seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften – es fehlte ihm nur noch ein Semester – antreten musste, stellte ihn auch beruflich vor einen Neubeginn. Kahled Albouzan scheint aber jemand zu sein, der sich vom Schicksal nicht so schnell unterbuttern lässt.

Als er vor 18 Monaten im Saarland ankam, stellte er sich sehr bald die Frage, wie es jetzt weitergehen kann. Ihm war klar, dass er die deutsche Sprache lernen musste. Das hat er mittlerweile schon sehr gut hinbekommen. Dann erkundigte er sich bei verschiedenen Anlaufstellen wie Jobcenter oder IHK nach seinen beruflichen Chancen. Er wollte dem Thema “Wirtschaft” treu bleiben. Da sein Studium wegen fehlender Nachweise nicht anerkannt werden konnte, entschied er sich für eine Ausbildung zum Industriekaufmann.

Bei seinen Internetrecherchen stieß er dann auf die Stahlbau Schäfer GmbH. Ihm gefiel das, was er sah, und die Entfernung zu seinem Wohnort Wadgassen passte.
Also schickte er seine Bewerbung nach Dillingen. Sein Job-Coach arrangierte anschließend einen Termin für ein Bewerbungsgespräch – und es hat geklappt, Khaled bekam seine Lehrstelle.

Heute arbeitet er in der kaufmännischen Verwaltung des Unternehmens und schickt sich an, Industriekaufmann zu werden. Er bereut es nicht, dem Rat gefolgt zu sein, die Abläufe in einem deutschen Unternehmen von der Pike auf zu lernen und zu verstehen. Die Unterschiede zu den Unternehmen in seiner Heimat sind aus seiner Sicht doch beachtlich.

So gibt es natürlich große Unterschiede bei gesetzlichen Vorschriften oder die Bezeichnungen der Konten in der Buchhaltung sind bzw. waren für Khaled ungewohnt. “In Syrien werden die Konten mit Text bezeichnet, in Deutschland sind es Nummern.”

Er findet es gut, dass seine Ausbildung so ausgelegt ist, dass er die betrieblichen Prozesse – z. B. den Rechnungslauf – nachvollziehen und gänzlich verstehen kann. “Er ist aber auch einer, der sich sehr gut einbringt, der alles hinterfragt und der auch alles verstehen will.” ergänzt sein sichtlich zufriedener Ausbilder, der kaufmännische Leiter des Unternehmens Norbert Theobald. Khaled bedankt sich daraufhin dafür, dass er die ihm übertragenen Aufgaben erst einmal in Ruhe und ohne Druck erledigen kann. “Das ist in Syrien ganz anders und hier in meiner jetzigen Situation für mich absolut wichtig.”

Nach seinem Ersteindruck von der Stahlbau Schäfer GmbH gefragt, erinnert sich Khaled Albouzan gerne an die große Hilfsbereitschaft seiner neuen Arbeitskollegen – “Das hatte ich so nicht erwartet!”

Die größte Überraschung für ihn war, dass die Belegschaft Geld für das Flugticket seiner Frau gesammelt hat. Diese Spende ermöglichte es ihm, seine Ehefrau zu sich nach Deutschland zu holen. Er konnte sie am 2. Weihnachtstag am Flughafen in Frankfurt nach anderthalb Jahren endlich wieder in seine Arme schließen.